Freitag, 30 Januar 2015 04:45 von 

Ihr wundert euch schon lange, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen? Wir sagens euch. Der dritte Teil der allseits beliebten und sicher nirgendwo abgekupferten Serie „Ein Tag in“ führt uns in den Osten der Südinsel Neuseelands.

08.00 Im Schlafsack und unter einer dicken Decke eingekuschelt nehme ich ein Klingeln wahr. Tatsächlich, wie jeden Morgen gilt das mir, und es heisst so viel wie: raus aus den Federn. Die Sonne, die durchs Oberlicht im Camper blinzelt, hilft.

08.12 Wir haben unterhalb des Mount Cook auf einem einfachen Camping ohne viel Schnick-Schnack übernachtet. So hat es in der Nähe auch nur zwei Toiletten. Die Schlange ist lang, ich habs aber pressant. Echli vom einen Bein aufs andere hin und her wechseln hilft. Vor mir waren die Meisten Wanderer, die noch das letzte Bisi vor dem grossen Aufstieg machen wollten. Wir sind immer bei den Letzten, die aufstehen. Die Wanderung haben wir aber tags zuvor schon gemacht. Zurück im Camper verräumen wir das Bett. Mittlerweile geht das ruck, zuck und ist eine Sache von einigen Minuten.

08.40 Wir sitzen gemütlich vor unserem Camper in der Sonne, um uns die Schneeberge. Ein schönes Plätzli um zu frühstücken.

09.27 Abfahrbereit. Ou nein, doch nicht ganz. Wie quasi immer öffnet sich nach den ersten paar Metern hinten ein Schränkli und wir müssen nochmals anhalten. So ist das halt, wenn man nicht alles verriegelt. Die ersten dreissig Minuten der Fahrt führen entlang des Lake Pukaki. Ein türkisblauer, glitzernder Gletschersee. Sehr schön. Und wir kommen mit nur einem Fotostopp durch. Hatten gestern ja schon den gleichen Hinweg.

10.40 Tanken ist angesagt. Bei der Ölkontrolle stellen wir fest, dass wir auffüllen müssen. So kaufen wir auch noch Motorenöl und eine Zeitung.

12.37 Um die Fahrt zu unterbrechen, haben wir einen Zwischenhalt in Oamaru eingeplant. Patrik war hier schon einmal und kann sich an eine Kirche erinnern, die er gerne nochmals fotografieren möchte. Diese finden wir auf Anhieb und es hat sogar einen grossen Parkplatz davor. Wir essen unsere Couscous-Reste vom Vorabend und überfliegen die Zeitung.

13.10 Wenn wir schon hier sind, fotografieren wir nicht nur diese Kirche, sondern sehen uns auch noch das Städtli an. Zuerst gehen wir kurz bei der Touri-Info vorbei. Die haben dort immer gute Broschüren und Tipps. Dann besichtigen wir den viktorianischen Stadtteil, der einzige gut erhaltene in Neuseeland. Viele schöne alte Häuser. Wobei alt in Neuseeland immer so eine Sache ist. Die Europäer entdeckten das Land erst 1810. In den Innenhöfen und -räumen hat es viele Ramschlädeli und Secondhandshops. Es scheint hier viele Eigenbrötler zu geben, die einigermassen konzeptlos verkaufen, was ihnen gerade in die Finger kommt. Und das gerne auch noch in einer Aufmachung, wo man sich vorkommt, als wäre man etwa im Jahr 1920. Es sind viele Hochräder ausgestellt. Wir gehen weiter bis ans Meer und dann zurück in die Stadt. Man muss nur der Wolke des Dampfzuges folgen, dann findet man automatisch wieder ins Zentrum.

14.20 Wir kommen an einem alten Fabrikgebäude vorbei. Davor sind Kunstobjekte aus Blech zu sehen und wir sehen Steampunk HQ angeschrieben. Was soll das sein? Auf einem Schild steht etwas von einer Kunstbewegung aus England. Wir sehen uns das mal an. Es ist so eine etwas auf gruselig gemachte Ausstellung von Geräten, die mal mit Dampf betrieben waren und nun zu Kunst verwandelt wurden. Auch gibts ein Spiegelkabinett mit Lichtern, die das Ganze endlos erscheinen lassen.

15.25 Es ist Zeit für eine kleine Stärkung. In einem Café, wo draussen an einem Tisch Oma und Opa in Puppenform sitzen, gönnen wir uns ein Päuseli.

15.45 Es geht weiter. Unser Tagesziel ist Moeraki und das ist nicht mehr weit entfernt.

15.52 Schild am Strassenrand: Cherries. Gut, dann halten wir halt schon wieder. Aber Kirschen in Neuseeland sind einzigartig gut, da müssen wir dem Schild folgen. Wir werden nicht enttäuscht, super Ware.

16.10 Die Fahrt wird schon wieder unterbrochen, Stau. Das kann aber eigentlich nicht sein, viel Verkehr hats nie. Was ist denn da los? Vorne können wir Rauch erkennen und auch riechen. Es scheint zu brennen. Über unseren Köpfen fliegt ein Löschhelikopter durch. Und wir können in der ganzen Gegend Rauch ausmachen. Wir erleben hier den regenärmsten Sommer seit Jahrzehnten und bei den furztrockenen Graslandschaften reicht ein Fünkchen aus, um alles in Brand zu setzen. Nach etwa 15 Minuten scheint man aber die Situation direkt an der Strasse unter Kontrolle gebracht zu haben und wir können wieder fahren. Unterwegs sehen wir, dass es immer dem Bahngleis entlang Mottbrände hat und hatte. Die Dampflok wird wohl eine ihrer letzten Fahrten vor einem grossen Regen gemacht haben.

16.45 Erreichen wir den Camping. Von unserem Stellplatz sehen wir direkt aufs Meer. Bei genauerer Betrachtung des Strandes ist ein Seelöwe zu erkennen. So gehen wir kurz los, um das Tier von etwas näher zu betrachten.

17.20 Lange Zeit gönnen wir uns nicht. Patrik hat noch von einem Punkt an der Küste ganz in unserer Nähe gelesen, wo es Robben, Seelöwen und Gelbaugenpinguin-Kolonien hat. Diese Pinguine sind sehr bedroht, es gibt nur noch gut 4000 Exemplare. Gegen Abend hat man die besten Sichtungschancen.

17.35 Wir haben riesiges Glück und sehen mehrere Pinguine und gegen die hundert Robben. Die Pinguine, die mit den Wellen am Strand landen, nach dem Tag auf Nahrungssuche im Wasser, sind lustig. Wie sie so angeschwommen kommen, dann etwas unbeholfen aufstehen und schliesslich davonwatscheln. Auch ganz herzig sind die zwei Mutter-Kind-Paare, die wir beobachten können. Ein Kinderpinguin ist ein kleiner Nimmersatt und so muss die Mutter immer und immer wieder Fisch hochwürgen.

19.13 Tierbeobachtungsausflug beendet und wieder zurück auf dem Camping. Nun heissts schnell kochen, da wir ja noch die Moeraki Boulders im Abendlicht sehen wollen. Darum übernachten wir hier. Die Aufteilung sieht folgendermassen aus: Patrik kocht in der Campküche Spaghetti (unsere eigene Ausrüstung beinhaltet keine grosse Pfanne) und ich mache die Sauce im Camper. Meine Sauce ist längst fertig, von Patrik aber fehlt jede Spur. Nach 45 Minuten kommt er relativ entnervt, aber mit gekochten Spaghetti zurück. Die Platte hat nicht richtig geheizt und es gab nur eine Riesenpfanne. Das sind die Mühen der Camper.

20.00 Das Essen schmeckt, aber wir müssen Gas geben.

20.33 Abfahrt zu den Moeraki Boulders.

20.50 Gerade mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir die Boulders. Das sind runde grosse Felsbrocken am Strand. Nun verfärbt sich der Himmel noch etwas Richtung violett und die Boulders, teils durch die Flut im Wasser, teils im Trockenen, zeigen sich von ihrer ganzen Schönheit.

21.30 Zum dritten Mal an diesem Tag sind wir zurück auf dem Camping. Nun erledigen wir noch den Abwasch.

22.00 Geschafft, mit Kaffee und Kerzenlicht sitzen wir in unserem Camper. Wir wollen noch kurz die Mails und Handys checken. Das endet darin, dass wir uns durch Wohnungsanzeigen klicken und auch irgendwie beim Thema Heimflug landen. Wir buchen diesen und auch noch unser Hotel in New York. Was ja unsere letzte Station ist. Das Ganze geht relativ emotionslos und geschäftig über die Bühne. Erst so kurz vor dem Schlafengehen wird mir bewusst, dass die Reise nun doch langsam ein Ende nimmt. Es bleibt uns zwar noch viel Zeit, aber das Zuhause rückt gedanklich auch wieder näher. Wo ich doch eine Weile lang gedacht habe, das Jahr ende nie.

01.00 Lichterlöschen und schlafen. Es war ein gut gefüllter und schöner Tag.

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