Samstag, 17 Januar 2015 12:43 von 

Nach 58 Tagen Down Under ist es Zeit für eine kleine Bilanz. In diesen gut acht Wochen haben wir rund 11000 Kilometer mit drei verschiedenen Campern zurückgelegt. Würden wir nochmals nach Australien reisen? Hier erst einmal unsere Top- und Flop-5.

 

Top 5

Beuteltiere und Gefiedertes

Wenn wir könnten, würden wir einen Koala mit nach Hause nehmen. Oder zumindest so tun, als wären wir eng verwandt mit ihm. Also 4 Stunden fressen und 20 Stunden schlafen. Ganz so so ungefährlich ist der stetige Energiesparmodus ja nicht. Lodern irgendwo Buschfeuer, und das tun sie in Australien ja oft, fliegen die Vögel weg und hüpfen die Kängurus davon. Jene, die sich im besten Fall die Pfoten verbrennen, sind die Koalas. Passiert ihnen das an der Ostküste, landen sie im Spital von Port Macquarie, dem einzigen Koala-Spital der Welt. Sie in der Wildnis zu sehen ist etwas schwieriger. Das gelang uns eigentlich nur auf Kangaroo Island im Süden. Kängurus begleiteten uns hingegen regelmässig (auch als Steak), unsere gefiederten Freund gar täglich. Einige erkennen wir längst am Ruf: Das „Hu“ der Schopftaube, das Krächzen der verschiedenen Papageien, das markerschütternde Schreien der Kakadus oder das schrille Lachen der Kookaburras.

Küsten und Strände

Von den 25760 Kilometern Küste haben wir zwar nur einen Bruchteil gesehen. Wir können aber ohne weiteres behaupten: Australien hat wahnsinnig schöne Strände. Oft zu Beginn sehr flach, dann schnell abfallend, mit teils wuchtigen Wellen und extrem sauberem, feinem Sand. Die schönsten Exemplare haben wir im Osten (in Sydney, aber nicht der berühmte Bondi oder Manly Beach, und an der Gold Coast) und im Süden (Cape Le Grand-Nationalpark oder Kangaroo Island) gefunden. Die Klippen an der Great Australian Bight im Süden oder im Kalbarri-Nationalpark im Westen sind auch nicht zu verachten.

Das Wasser auf Fraser Island

Regenwald auf der grössten Sandinsel der Welt. Das alleine würde schon den Platz in den Top 5 rechtfertigen. Wenn man sich dann aber genauer anschaut, was durch diesen Regenwald fliesst, dann traut man seinen Augen kaum. Auf den ersten Blick scheinen die Bäche milchig und trüb. Was man in Wirklichkeit sieht, ist das sandige Bachbett. Das Wasser ist so klar, dass es gar nicht auffällt.

Apollo-Camper

Unser mobiles Zuhause von Adelaide bis Perth und von Brisbane bis Sydney (im Westen von Perth bis zum Karajini-Nationalpark und zurück waren wir mit einem 4x4 unterwegs). Gross genug, um gemütlich darin zu wohnen und zu schlafen. Schmal genug für jede Parklücke. Trotz seiner Höhe (2,65 m) stabil genug, um nicht zusätzlich das Schifferpatent machen zu müssen.

No worries

Genau übersetzt: Keine Sorge. Wird in Australien exzessiv verwendet. Und kann faktisch alles heissen. Man kann sich sogar so begrüssen. Kein Scherz. Haben wir selbst erlebt.

 

Flop 5

Der Tod lauert überall

Der Sicherheits- und Gesundheitswahn kennt in Australien fast keine Grenzen. Wer den Schilder- und Hinweiswald an den Stränden oder an anderen gefährlichen Orten genau studiert, bleibt besser zu Hause. Gefährliche Klippen, riesige Wellen, steile Stufen, die zu Herz-Kreislauf-Problemen führen können, rutschige Wege (wenn sie nass sind) und selbstverständlich allerhand Getier könnten in den Tod führen. Jedes alkoholische Getränk ist mit einem Aufdruck versehen, wievielen Standard-Drinks es entspricht. Laut Gesundheitsamt soll man nicht mehr als zwei pro Tag (also rund 2 dl Wein) zu sich nehmen. Rauchen ist sowieso verpönt, die Packungen sehen markenunabhängig alle gleich aus und dürfen nur in blickdichten Schränken aufbewahrt werden. Dafür gibts fast sämtliches Essen auch als glutenfreie Variante, obwohl nur 1,5 Prozent der Bevölkerung ernsthaft darunter leidet. Da und dort wird man auch darauf hingewiesen, dass man sich bei sämtlichen Freizeitbeschäftigungen (zum Beispiel Frisbee spielen) verletzen könnte, und dafür selber die Verantwortung übernehmen muss. Mit Abstand am meisten Regeln gibts auf den Campingplätzen. Der Wahnsinn treibt dort bisweilen gar seltsame Blüten. So müssen im One Mile Beach Holiday Park Kinder, die auf den Strässchen mit dem Velo, Kickboard, Skateboard oder sonst irgendwas fahren wollen, eine Lizenz lösen und die gut sichtbar an sich oder an ihrem Gefährt anbringen. Auch wenn immerhin auf der Strasse die meisten Schilder Sinn machen, so gehören die Tempolimiten sicher nicht dazu. 100 auf neuen, dreispurigen Autobahnen. 110 auf unübersichtlichen, holprigen Überlandstrecken.

Fliegen

Wer die Fliegen Westaustraliens kennt, muss seine Meinung über Mücken zwingend revidieren. Die Viecher stechen zwar nicht, sind aber hochgradig lästig, wollen dir ständig in die Augen, in die Ohren und in die Nasenlöcher. Und das zu Dutzenden. Legendär bleibt jener Nachmittag im Karajini-Nationalpark (der gehört eigentlich zu den Top 5), an dem mitten in einem Wäldchen das Moskito-Netz spannen mussten, um wenigstens einigermassen in Ruhe irgendwo sitzen zu können. Der einzige Vorteil der Fliegen: Sie gehen im Gegensatz zu den Mücken irgendwann schlafen.

Sehenswürdigkeiten

Gibt es irgendwie nicht. Klar, die Landschaft ist sehr schön und abwechslungsreich. Was aber fehlt, ist der Wow-Effekt. Da können uns die Touristiker mit ihren Hochglanzbroschüren noch so oft das Tiefblaue vom Himmel versprechen. Es bleibt irgendwie alles pastellblau.

Kulinarisches

Ja, man kann in einem Restaurant gut essen. Und ja, man kann im Land des sechstgrössten Weinproduzenten der Welt einen edlen Tropfen zu einem vernünftigen Preis finden. Man muss einfach nur lange genug danach suchen.

Fischen

Langsam glauben wir, dass Australien gar keine Fische hat. Dass wir selber noch keinen gefangen haben, ist nicht sonderlich verwunderlich. Wir haben aber eben auch nie jemanden gesehen, der etwas aus dem Wasser gezogen hätte. Nur davon gehört, dass es Leute geben soll, die ... Seemannsgarn, wahrscheinlich.

 

Würden wir nochmals nach Australien reisen? Nein. Wir hatten sehr wohl eine schöne Zeit hier, sind aber keine Australien-Fans geworden. Vielleicht kennen wir halt auch einfach den Westen der USA zu gut.

 

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