Donnerstag, 25 Dezember 2014 09:12 von 

„Shut up & fish“ steht auf des Campingplatznachbars T-Shirt. Derlei muss man uns nicht zweimal sagen. Wir halten die Schnauze und gehen mit unseren Angeln am frühen Morgen des 25. Dezember Gassi. Das Kurzprotokoll einer weihnächtlichen Grossfischjagd.

Vielleicht müssen wir aber auch von vorne beginnen. Nur ganz kurz. Also dort, wo sich die Idee in einen kleinen Kaufrausch verwandelt. Zwei Ruten, ein paar Senkbleikugeln, Haken, Angelschnur, Gummifische und ein Sack Tintenfischköder später fühlen wir uns wie echte Fischer. Zwar ohne Ahnung, aber mit einer grossen Portion Selbstvertrauen. Der erste Auftritt auf der Fischerbühne, im gleissenden Licht der westaustralischen Sonne, verläuft fast nach Mass. Patrick, der andere, der mit C, hat unser Abendessen am Haken. Bis die Schnur von der Öse abreisst. Vor der Küste von Coral Bay schwimmt nun irgendwo ein Fisch mit Zungenpiercing.

Das war vor vier Tagen. Mittlerweile haben wir unsere Knotentechnik dramatisch verbessert, unsere Ausrüstung aufgerüstet – Fischmesser, Massband und Waage, Schwimmer – und unsere Montage (das Zeugs zwischen Ende der Rute und dem Haken) fast schon semiprofessionell optimiert. Und so sind wir also heute Morgen um 6.40 Uhr losgezogen, etwas gezeichnet vom gestrigen Fondue-Abend, auf der Suche nach einer Sandbank, die schnell in tieferes Gewässer übergehen soll. Ein Tipp eines Insiders, der hier in Denham wohnt.

Drei Stunden später steht fest: Zum Abendessen gibts Kürbis-Curry. Plan A, der mit Fisch, ist vertagt. Erstens haben wir die Stelle, die uns den ersten Fang bescheren sollte, wohl nicht so richtig gefunden. Zweitens machen die meisten Fische hier offensichtlich auch Weihnachtsferien. Drittens haben die, die noch da sind, heute Morgen einen Clown gefressen und sich provokativ fast totgelacht, als sie uns gesehen haben. Leider nur fast. Wir hätten uns auf dem Rückweg auch mit suizidal veranlagten Red Snappern, die sich uns mit letzter Kraft vor die Füsse werfen, zufrieden gegeben. Aber Kürbis ist ja auch nicht schlecht.

So warten wir weiter auf den sicher lustigen Moment, wenn dann mal der erste Fisch beisst, wir ihn an Land ziehen, erst umständlichen mit unserem Fischbüchlein bestimmen, ausmessen müssen, ob wir ihn überhaupt behalten können, ihn entweder freilassen oder irgendwie totschlagen, mit Youtube-Unterstützung ausnehmen und filetieren und stolz in die Pfanne hauen.

Denn eines ist klar: Mit unserem Anglerlatein sind wir noch lange nicht am Ende.

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