Sonntag, 26 Oktober 2014 17:51 von 

Königsblau, hellblau, pastellblau, himmelblau, türkis, dunkelgrün, mint, hellgrün, beige, weiss. Male mit diesen Farben ein Bild, und es wird aussehen wie Palau. Wenn es nicht regnet.

Irgendwann Ende 2012 oder Anfang 2013 spuckte Google plötzlich ein Bild aus. Kleine Felsinseln mit üppigem Grün, willkürlich und malerisch angeordnet, umgeben von türkis- bis tiefblauem Wasser. Die „70 Islands“ von Palau. Über ein Jahr lang war es das Hintergrundbild auf meinem Handy. Koror, Palaus Hauptort mit US-Kleinstadt-Flair (aber nicht die Hauptstadt), war in meiner Weltwetter-App Stammgast. Und eines der grössten Sorgenkinder. Konnten wir die -40 Grad im mongolischen Winter mit einem müden Lächeln verschmerzen – wir sind dann ja im Sommer da – blieben die Prognosen für Palau ganzjährig pessimistisch. 29 Grad, keine Sonne. Wir mussten davon ausgehen, dass hier bei starker Bewölkung Grill und Sonnenschirme aus dem Schopf geholt und die Schulen aufgrund des herrlichen Wetters geschlossen werden. Volksfeststimmung unter den rund 20000 Einwohnern. Mutmasslich an drei Tagen im Jahr. An allen anderen regnets. Oder gewitterts. Und da wollen wir wirklich hin?

Vor fünf Minuten hats tatsächlich geregnet. Jetzt scheint wieder die Sonne. Wie so oft. Irgendwo auf einer der 356Inselnöstlich der Philippinen, von denen nur 11 bewohnt sind, regnets immer. Manchmal auch nur extrem lokal. Kann sein, dass die Strasse auf 100 Metern Länge halb überflutet ist, der Asphalt aber davor und danach in der Sonne brutzelt. Kann auch sein, dass es aus heiterem Himmel regnet. Ohne, dass irgendeine Wolke in der Nähe wäre. Auf Palau gibts genau zwei Jahreszeiten, sagt der Chef des Krämers, unseres Lieblingsrestaurants: „Eine regnerische und eine verdammt regnerische.“ Die letzten acht Wochen vor unserer Anreise habe es durchgehend geschüttet. So sehr, dass das Wasser mittlerweile knapp geworden ist. Irgendwie schafft man es nicht, das Leck im Unterwasser-Frischwasserreservoir (?) zu stopfen. Für die Staaten Koror und Airai nördlich davon gilt deshalb: kein Wasser am Nachmittag und in der Nacht. An Wochenenden, also zum Beispiel heute, sind die Leitungen sogar nur von 6 Uhr morgens bis Mittag offen. Das betrifft natürlich auch die WC-Spülungen...

Eben hats gedonnert - draussen. Als bekennende Schönwetter-Touristen sitzen wir selbstverständlich in der viel zu warmen Stube. Auch unsere Ausflüge in der letzten Woche terminieren wir exakt so, dass wir höchstens nass werden, wenn wir uns ins Meer stürzen. Oder in den Jellyfish Lake. Ein Salzwassersee auf einer der vielen Inseln, in dem es von Quallen nur so wimmelt. In Ermangelung von Fressfeinden haben sie ihre Nesselzellen im Laufe der Evolution komplett zurückgebildet. Und sie vermehren sich wie die Hasen.

Vier Bootsausflüge haben wir in den letzten acht Tagen gebucht. Nur einen gemeinsam. Weil sich Michelle ausgerechnet vor Gili Meno in Indonesien, wo sie eigentlich den Tauchkurs absolvieren wollte, eine gröbere Grippe zugezogen hatte, muss ich weiterhin allein die Unterwasserwelt erkunden. Sie hat somit leider auch den bisher besten Tauchgang – meinen 37-sten – verpasst. Und der geht so: Wir hängen uns beim Eingang des Ulong Channel mit Riffhaken ein und lassen uns in der Strömung treiben. Ein Hai nach dem anderen patrouilliert vorbei, teilweise trauen sie sich bis auf eine Armlänge Distanz heran und beschnuppern uns. 20 Minuten lang Shark-TV vom Feinsten.

In Palau findet man relativ wenige Europäer. Wer taucht, tut dies hauptsächlich mit Amerikanern (die letzte Besatzungsmacht), wer um die Inseln kurvt und nebenher schnorcheln will fast ausschliesslich mit Japanern (eine andere ehemalige Besatzungsmacht), Chinesen und Koreanern. Es sind nebst den Philippinen die einzigen Länder mit Direktflügen ins Inselparadies, das in Europa kaum jemand kennt.

 

Logge dich ein um zu kommentieren

Die ersten Schritte

Textarchiv

Jetzt online

Aktuell sind 36 Gäste und keine Mitglieder online

Statistik

Heute8
Gestern24
Diese Woche32
Diesen Monat576
Total72419

Deine IP 54.196.86.89 Unknown - Unknown