Dienstag, 21 Oktober 2014 13:16 von 

Hello Mister. Sechs tolle und abwechslungsreiche Wochen später weiss ich, dass ich mich nicht betupft fühlen muss. Denn eine Vielzahl der Indonesier kennt nur Hello Mister, egal, ob man Miss, Madam, Mister oder sonst was ist.

Das ist aber nicht das Einzige, dass ich in diesen sechs Wochen gelernt habe. Indonesien ist ein Land mit vielen Facetten. Wechselt man die Insel, hat man das Gefühl, in einem anderen Land zu sein. Andere Religion, Landschaft, Menschen, Aktivitäten. Aber es ist alles Indonesien und es ist aus unserer Sicht definitiv eine Reise wert. Aber man braucht Zeit, um das Land zu erkunden, und sechs Wochen waren noch nicht genug. Irgendwann einmal wollen wir zurück.

Unsere letzte Station ist Yogyakarta oder kurz Yogya oder Jogja auf Java. Diese Stadt wird als kulturelles Zentrum Javas bezeichnet und hat vieles zu bieten. Ich picke mal zwei unserer Aktivitäten raus.

Wenn es irgendwo etwas mit dem Fahrrad zu erkunden gibt, machen wir das immer gerne. So nehmen wir an einer halbtägigen Fahrradtour in einen Vorort von Jogja teil. Uff, bin ich froh, als wir endlich die Hauptstrasse verlassen. Viel gemütlicher sind die Nebenstrassen, die unsere sechsköpfige Gruppe in ein Dorf führen. Wir besuchen die hiesigen Industrien. Erster Stopp bei der Krupuk-Fabrik. In einem Hausanbau wird mit noch von Hand betriebenen Maschinen das allseits beliebte Krupuk hergestellt. Krupuk wird zu fast jedem indonesischen Essen dazu serviert und ist eine Art Chips mit Fisch- oder Shrimpsgeschmack. Wir sehen noch, wie eine zweite Essensspezialität fabriziert wird, nämlich Tempe. Das sind Sojabohnen, die über Nacht eingelegt werden, dann geschält, mit Hefe vermischt und in ein Palmblatt verpackt. So gärt das Ganze, und wenns genussreif ist, wirds gewürzt, frittiert und serviert.

Unsere aktive Mithilfe ist ebenfalls gefragt. Patrik versucht sich an der Reismaschine. Diese muss man mit dem Fuss antreiben, dann oben, auf die mit Nägeln gespickte Rolle, einen Büschel Reis halten. So trennt man die Reiskörner vom Stängel. Und ich darf eine Reihe Backsteine aus einer Dreck-, Wasser-, Tonmischung herstellen. So erhalten wir interessante Einblicke in die Arbeit der Dorfbewohner.

Eine Hauptsehenswürdigkeit von Jogja ist die hinduistische Tempelanlage Prambanan aus dem achten Jahrhundert. Zwei junge Frauen fahren uns auf ihren Rollern zur etwa 16 Kilometer entfernten Anlage, warten dort auf uns und bringen uns wieder zurück. Patriks Fahrerin lässt sich durch seine Anwesenheit wohl etwas durcheinander bringen und verpasst vor lauter Kichern und Palavern zweimal die richtige Abzweigung.

Prambanan ist eine sehr sehenswerte Anlage mit über 200 kleinen Tempeln. Acht davon sind speziellen Gottheiten gewidmet, der grösste Tempel ist 47 Meter hoch. Durch ein Erdbeben im Jahr 2004 sind leider viele Tempel zusammengebrochen. Einige wurden wieder aufgebaut, viele nicht. Es sind eindrückliche Bauwerke, mit den ganzen Steinhauereien und Verzierungen. Was auch noch irgendwie lustig ist, sind die ganzen einheimischen Schulkinder, die wohl von ihrem Lehrer den Auftrag erhalten haben, mit den Touris zu sprechen und als Beweis ein Foto mitzubringen. Wir sind also beschäftigt.

Mittlerweile sind wir über Taiwan nach Palau gereist. Eben kam Patrik nach Hause und meinte, dass er gerade den besten Tauchgang seines Lebens hinter sich hat. Vielleicht schreibt er ja im nächsten Textli etwas darüber.

Noch eine kleine Anekdote: Auf der Reise von Jogja nach Taipeh verliert Air Asia leider meinen Rucksack. So stehen wir nachts um 22.30 Uhr am Flughafen in Taipeh und geben mit Händen und Füssen und Zeichensprache die Vermisstmeldung auf. Total erledigt kommen wir gegen 1 Uhr leicht bepackt im Hotel an. Am nächsten Morgen um 9 Uhr klingelt mein Handy, ich habe Hoffnung. Es folgt schnell die Ernüchterung, man will nur wissen, wohin wir von Taipeh aus reisen. Die Stadtbesichtigung in Wanderschuhen macht besonders Spass. Auch sonst schätze ich das Gefühl, gar nichts mehr zu haben. Ans Leben aus dem Rucksack habe ich mich gut gewöhnt. Aber an das ohne Rucksack nicht. Unzählige Anrufe bei der Fluggesellschaft bringen nichts, sie wissen nichts, sind nicht interessiert und verstehen nichts. Spätabends nochmals einen Blick aufs Handy. Ein verpasster Anruf. Ich rufe zurück und siehe da, sie haben meinen Rucksack wieder. Nur leider kann man ihn unmöglich ins Hotel liefern. Auch am nächsten Morgen gegen 12 Uhr kann man am Flughafen den Rucksack unmöglich 100 Meter weiter in die Abflugshalle bringen, wir müssen ihn in der Ankunftshalle holen. Nur schön ruhig bleiben. Wenn man in Asien laut wird, verliert man das Gesicht und wird noch weniger ernst genommen. Mein Rucksack (oder besser gesagt Corinnes Rucksack :-)) und ich sind endlich wieder vereint. So schön.

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