Sonntag, 12 Oktober 2014 16:24 von 

Ihr wundert euch schon lange, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen? Wir sagens euch. Der zweite Teil der allseits beliebten und sicher nirgendwo abgekupferten Serie „Ein Tag in“ führt uns in den Osten der indonesischen Insel Java, zu den beiden Vulkanen Ijen und Bromo.

23.45 Der Wecker klingelt. Endlich. Die paar Stunden Schlaf, die wir uns vor der ersten Vulkan-Tour gönnen wollen, sind meinerseits kein Highlight. Das schmuddelige Bett, der Boden voller Ameisen und die Mücken, die mir um den Kopf schwirren, lassen mich den Schlaf nicht finden. Die Zähne sind geputzt, die Koffer gepackt, die warmen Kleider griffbereit und das Zmorge-Paket an der Rezeption abgeholt. Höchste Zeit, denn das Transportauto wartet schon vor der Zimmertür.

00.29 Die Fahrt geht los. Im Auto sitzen noch zwei Holländerinnen. Mehr erfahren wir zu diesem Zeitpunkt nicht über sie. Die kurvigen Strassen rauf zum Parkplatz des Vulkans Ijen werden ohne grosse Wortwechsel abgespult.

01.50 Bevor wir die Gipfelbesteigung in Angriff nehmen, gibts beim Warung (kleiner Imbiss) direkt beim Parkplatz noch einen Kaffee und dazu eine kleine Stärkung bestehend aus Brot, Schoggi (ja, wir haben hier eine Schoggi entdeckt, die nicht schnell schmilzt und lecker ist) und einem Apfel. Viel gesprochen wird nach wie vor nicht. Aber unsere Gruppe hat sich noch um eine weitere Person und den Guide vergrössert.

03.02 Wir errreichen schnaufend und schwitzend den Kraterrand des Ijen. Steil gings bergauf, gesehen haben wirs nicht, aber die Beine und die Lunge haben entsprechende Mitteilungen ans Hirn weitergeleitet. Sehen tun wir eigentlich nur die Buschfeuer, die am Nachbarvulkan brennen. Die Indonesier sind ja leider Weltmeister im Abbrennen von Feldern, Wäldern und was halt so brennt Unser Ziel ist aber mit dem Kraterrand nicht erreicht, wir wollen hinein, zu den blauen Flammen, die wir schon schwach erkennen können.

03.39 Wir habens geschafft und stehen nach einem steilen Abstieg über Fels und Stein vor den blauen Flammen. Zum Glück haben wir die Stirnlampe dabei, sonst wären wir wohl noch schneller unten gewesen. Der Schwefel beisst in der Nase und der Rauch brennt in den Augen. Aber egal, diese blauen Flammen, die aus dem Berg züngeln, mit dem weissen Rauch, der aufsteigt, und dem Vollmond, der vom Himmel leuchtet - ein super Naturschauspiel. Die blauen Flammen entstehen durch eine chemische Reaktion des brennenden Schwefels mit der Luft. Die Jacken können wir nun gut vertragen und die Schals auch. Letztere binden wir uns um den Kopf, das lässt uns etwas entspannter atmen.

05.15 Die Sonne ist aufgegangen und wir treten den Rückweg an. Es ist auch der Zeitpunkt gekommen für den ein oder anderen Schwatz. Auf dem Rückweg sind wir aber nicht alleine. Am Ijen wird noch aktiv Schwefel abgebaut. Die Männer pickeln unten bei den Flammen, die mittlerweile nicht mehr zu sehen sind, die gelben Schwefelstücke ab. Um sie dann bis zurück zum Parkplatz auf den Schultern in Körben zu tragen. Bis zu 90 kg pro Person. Eine zermürbende Arbeit, die oft in Flip-Flops verrichtet wird. Grüsst man die Bergarbeiter aber, erhält man immer ein Lachen und ein freundliches Selamat Pagi (guten Morgen) zurück.

06.32 Unser Guide, der das 15 Jahre lang gemacht hat, zeigt uns seine Schultern. Kein schöner Anblick.

06.48 Die Frühstücksbox wird geplündert, das Ei teilt Patrik mit der herumstreunenden Katze. Ich besuche das Stehklo.

07.30 Wir wollen heute noch weiter zum Bromo und haben eine weite Fahrt vor uns. Los gehts.

10.19 Die Blase drückt, und wir bitten den Fahrer um einen WC-Stopp. Gesagt, getan, bei der nächsten Tankstelle wird angehalten.

10.31 Es steht schon der nächste Stopp an. Der Fahrer hält bei einem Seafoodrestaurant und sagt, wir können hier zu Mittag essen und eine Pause machen. Um diese Zeit mag von uns aber niemand Seafood, wir nehmen frische Fruchtsäfte.

12.02 Die schläfrige Stimmung wird durch einen weiteren Halt unterbrochen. Mr. Patrik soll doch bitte aussteigen hier. Aha, warum? Man will uns noch ein Hotel für die nächste Nacht schmackhaft machen. Wir wollen aber vor Ort schauen.

13.04 Pff, pff, pff, pff und nix geht mehr. Das Auto bleibt in den steilen und kurvigen Strassen zum Gunung Bromo stehen. Der Fahrer bastelt etwas am Motor herum und wir steigen lieber aus, es benzinelt stark. Schliesslich schafft er es, den Wagen wieder zum Laufen zu bringen.

13.17 Einige Minuten später kommen wir in Cemoro Lawang an. Das Hotel, das für die beiden Holländerinnen in ihrem All-Inclusive-Trip inbegriffen ist, passt uns auch, und so steigen wir aus. Hier enden für uns die gebuchten Dienstleistungen, wir brauchten nur die Fahrt.

15.15 Wir machen uns auf den Weg zum Krater des Gunung Bromo. Vorher noch kurz beim Minimarket vorbei, um die Wasservorräte aufzufüllen. Wir wollen dem Massentourismus und dem überteuerten Parkeintritt aus dem Weg gehen und haben unser eigenes Programm zusammen gestellt. Das beinhaltet nun die Nachmittagswanderung zum Krater.

16.17 Wir nehmen die steile Treppe zum Kraterrand in Angriff und sind ein paar Minuten später oben. Den Schwefelgeruch hätten wir sonst nicht nochmals gebraucht, er war uns noch deutlich präsent. Aus dem Krater rauchts wie verrückt, wir sehen nicht viel. Aber über die Ebene hinweg haben wir einen schönen Ausblick.

18.04 Wir treten zum Nachtessen an. Spaghetti müssen her. Die Portion ist leider nur halb so gross wie zu Hause.

19.11 Ich will noch duschen. Wir haben ja extra das etwas bessere Zimmer mit Hot Shower genommen. Nur, wo bleibt das heisse Wasser? Und warum muss ich so lange im sonst schon kalten Zimmer warten? Patrik bringt in Erfahrung, dass das Gas vom Boiler leer ist. Man tauscht die Flasche aus und der warmen Dusche steht nichts mehr im Weg.

19.32 Fallen wir todmüde ins Bett. Eingekuschelt unter all den warmen Decken schlafen wir auch sofort ein.

02.50 Klingelingeling. Siehe 23.45 Uhr. Geschlafen haben wir aber gut.

03.27 Unser Ego-Programm beinhaltet nicht die überall verkaufte Jeep-Tour. So spazieren wir an all den wartenden Autos vor unserem Hotel vorbei. Nein, wir wollen auch keine warme Jacke mieten, als Schweizer kennen wir die Kälte und sind selber gut ausgerüstet. Unser Ziel am heutigen Morgen ist ein Aussichtspunkt unterhalb vom Place to be. Wir gehen zu Fuss dorthin.

03.59 Wir denken, unseren geplanten Standort erreicht zu haben und stellen uns an den einen strategisch guten Foto- und Aussichtspunkt. Neben uns sind nur Einheimische anwesend. Dabei nicht zu vergessen der Biker-Club von Surabaya. Eine lustige Truppe. Die Aussicht ist magisch, etwas vom Schönsten, was wir je gesehen haben. Der grosse Krater, aus dem der Bromo und weitere Berge herausragen, ist mit Bodennebel bedeckt. Der Bromo raucht leicht, und im Hintergrund sieht man langsam die Sonne aufgehen.

06.01 Aussichtspunkt zwei. Da es uns doch noch Wunder genommen hat, wo alle Touris die Attraktion genossen haben. Wir erfahren dort von anderen Schweizern, dass dies erst der Aussichtspunkt weiter unten am Berg ist und sich der richtige zu Fuss noch eine Stunde weiter oben befindet. Das sparen wir uns, wir waren ganz glücklich mit unserem Plätzli. Auch wenns wies scheint das „falsche“ war.

07.35 Im Hotel gibts Frühstück.

09.02 Patrik will auch noch duschen. Heisses Wasser? Denkste. Nun hat man keine Ahnung mehr, an was das liegen kann, und er wird in ein anderes Zimmer geschickt. Leicht bekleidet (Frottétuch und viel zu kleine Badeschlappen) macht er sich auf den Weg durch die halbe Hotelanlage.

10.20 Erwischen wir wohl den etwa letzten Minibus, der vom Berg wieder runter fährt. Mit uns noch drei andere Touris. Die anderen sind alle schon längst weg. Aber bei uns dauerts halt manchmal etwas länger.

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