Samstag, 13 September 2014 14:23 von 

Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Madam, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister... und so weiter und so fort.

 

Seit wir in Indonesien sind, höre ich nur noch Hello Mister. Erst habe ich mir gedacht, meinen Text so bis zum Ende weiterzuführen. Da wir aber nun zwei Tage gereist sind und heute 10 Stunden im Bus verbracht haben, wäre ich auf diese Weise zu schnell fertig gewesen. Die letzten Tage waren wir auf der Insel Belitung, wo wir die wunderschönen Sandstrände, das kristallklare Wasser und das Inselleben genossen haben. Jetzt sind wir nach Rantepao auf der Insel Sulawesi gereist.

Ich erzähle euch mal, was wir neben Hello Mister aus jeder Ecke, von jedem Roller und von sonst aus jeder Ritze bis jetzt noch mit den Indonesiern erlebt haben.

In unserem Hotel kann leider niemand Englisch. Und wir haben erst ein paar Worte Indonesisch gelernt. Das reicht nicht, um nach einem Mietwagen, einer Karte und einem Ausflug auf die Inseln vor der Insel zu fragen. Wir versuchens zwar, aber keine Chance. Dann dackeln wir halt zu Fuss los Richtung Zentrum. Es wird ja wohl ein Touranbieter oder eine Firma, die Mietwagen hat, kommen. Wir liegen falsch, nur Läden und kleine Imbissbuden. Ah, da auf der rechten Strassenseite ein Hotel mit einer Rezeption. Wir steuern auf dieses Hotel zu und siehe da, ein sehr netter Herr hinter dem Tresen. Und? Genau, er kann Englisch. Er organisiert uns alles, was wir brauchen. Der Mietwagen wird von seinem Kollegen, Mister Afandi, am nächsten Morgen direkt vor unserem Hotel abgeliefert. Das Auto scheint irgend einer Familie zu gehören, in der Mittelkonsole finden wir jedenfalls einen rosaroten Haarreif und auch sonst sieht das Auto nicht nach Mietwagen aus. Aber es tut seinen Dienst wunderbar.

In einem Restaurant gibts beim Abendessen ein kleines Verständigungsproblem. Dieses auf einschlägigen Seiten im Internet hochgelobte Restaurant ist uns auch von „unserem“ Rezeptionisten empfohlen worden. Das wollen wir sehen und nehmen den gut halbstündigen Spaziergang dorthin in Angriff. Da es ab sechs Uhr abends schon dunkel ist, sind solche Spaziergänge mit den vielen Menschen, dem Verkehr und den nachts wie Pilze aus dem Boden schiessenden Verpflegungsständen immer eine gewisse Herausforderung. Das Restaurant scheint auf den ersten Blick voll zu sein. Wir haben aber Glück, und in einem versteckten Raum gibts noch ein Plätzli für uns. Es ist laut und die Stimmung, vor allem bei der Frauengruppe vis-à-vis von uns, ausgelassen. Man fühlt sich sofort wohl in diesem Lokal, an den Wänden hängen überall Bilder von früher, auch die Einrichtung ist originell und es gibt einiges zu entdecken. Cool ist zum Beispiel der Servietten-Spender. Eine metallene Ölkanne, bei der man aus dem Ausguss die Servietten ziehen kann. Die Servietten bestehen aus einer Rolle WC-Papier. Da die Speisekarte mit Fotos ausgeschmückt ist und unsere Indonesischkenntnisse Essensbegriffe beinhalten, können wir problemlos bestellen. Zum Dessert hätten wir gerne Lansat, eine Frucht, die wir schon aus Malaysia kennen und die wir bei den Herren, die am Nachbartisch gegessen hatten, gesehen haben. Irgendwie heisst die Frucht nicht gleich und sie haben keine, sagen sie uns. Komisch. Dann kommt nochmals eine Angestellte zu unserem Tisch und meint, wir können diese Frucht draussen an einem Stand kaufen. Okay, auch wahr, die runden Früchtchen lassen sich auch auf dem Heimweg gut verspeisen. Ich bedanke mich für den Hinweis. Wir gehen an die Kasse und bezahlen. Aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, wie ein Angestellter mit einem Plastiksäckli zur Tür rein kommt. Genau, sie haben nicht gemeint, wir sollen die Früchte kaufen, sondern haben diese für uns besorgt. Wir werden wieder zum Tisch geführt und können in Ruhe unser Dessert geniessen. So nett von diesen Wirtsleuten. Sie zeigen uns auch noch, wie man die Früchte isst, und wir sind für die Angestellten und die Gäste wieder einmal die Unterhaltung vom Abend. So kommt es uns jedenfalls vor.

An einem Tag machen wir mit dem Auto einen Ausflug in den Osten der Insel. Auf unserer Karte ist nur der Westen in Farbe, der Osten grau. Auch andere Einheimische meinen, dort gäbe es nichts zu sehen. Egal, das spornt uns natürlich umso mehr an. Den Weg finden wir. Sogar noch mit einem Abstecher zu einem See mit ganz hellblauem Wasser. Wir fahren nach Manggar, der Stadt der 1001 Cafés. Ein Café heisst Warkopi in Indonesisch und wir setzen uns in eines am Fluss. Ich glaube, dort haben sie noch nie westliche Touristen gesehen. Unseren Kaffee bestellen wir in Indonesisch und er ist lecker. Die Inhaberin möchte gerne ein Foto von uns, sie traut sich aber nicht zu fragen. Irgend ein Halbwüchsiger nimmt schliesslich seinen ganzen Mut zusammen und kurze Zeit später lächeln wir für das Foto. Nach etwa einer halben Stunde hat sich die Aufregung gelegt. Wir möchten eigentlich noch die Olympischen Spiele, die gerade im Ort stattfinden, besuchen. Nur, wie finden wir dort hin? Patrik geht schnell ein Werbebanner fotografieren, und das zeigen wir dann einem Polizisten im Warkopi. Er hat uns bis jetzt bei Verständigungsproblemen immer ein wenig geholfen. Er sagt, das sei nicht weit, irgendwie geradeaus und dann rechts. Wir bezahlen und wollen uns auf den Weg machen. Der Polizist meint nun, er müsse eh gerade dort hin, wir sollen ihm nach fahren. Das machen wir. Er, auf dem Töff in einheimischem Tempo voraus, wir im Autöli, ein wenig schneller als gewohnt, hinten drein. Zusammen sehen wir uns dann einen Männer-Volleyball-Match an. Die Gegend scheint für Polizisten nicht viel Arbeit zu bieten, denn vor dem Ausflug, den er mit uns unternommen hat, hat er etwa eine Stunde lang gekäfelet. Aber auch er: so freundlich und hilfsbereit. Ohne seine Hilfe hätten wir nie zum Stadion gefunden.

Und zum Schluss, da es doch so schön ist: Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Madam, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister, Hello Mister in der Endlosschlaufe...

 

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