Donnerstag, 28 August 2014 10:48 von 

Wir sind wieder einmal eingesperrt, werden auf hoher See kräftig durchgeschüttelt und Schneider hat schon wieder sein Handy verloren.

 

Sri Lanka. Wir sagen uns immer, das ist Indien light, und freuen uns auf die Insel unterhalb Indiens. Wir landen am Nachmittag am Flughafen in Colombo. Wir denken: Jetzt gehts los mit vielen Leuten, Gerüchen, Autos – mit dem Chaos. Nichts. Der Flughafen ist wie eine alte riesige Lagerhalle und ausserhalb warten nur wenige Taxi- und Tuk-Tuk-Schnorrer. Ein Taxi kriegt schliesslich unseren Zuschlag und fährt uns die gut eineinhalb Stunden nach Colombo. Aus dem Fenster sehe ich viele Drachen in der Luft ihre Bahnen ziehen. Zum ersten Mal haben wir über Airbnb eine Unterkunft gebucht. Uns erwartet ein Zimmer in einem grossen schönen Haus, bei einer pensionierten Sri Lanker Lady. Wir sind im Botschaftsviertel gelandet, eine noble Gegend. Unser Zimmer ist einfach eingerichtet mit Bett, Mückennetz, Schreibtisch, Ventilator, Schrank und einem Bad. Das grosse Herrschaftshaus wird von Mettha und ihrer Maid bewohnt.

Colombo selber empfinden wir nicht als sehr attraktive Stadt. Wir besuchen den Staddteil Pettah, wo alles sehr wuselig und vollgestopft ist, so wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir gehen durch die halbe Stadt zu Fuss auf der Suche nach einem Waschsalon. Wir statten dem Nationalmuseum einen Besuch ab (so sind wir punkto Buddhismus, Hinduismus, Ganesha, Shiva und so weiter wieder auf dem neuesten Stand). Wir gehen an den Strand, der von grünen Plastikessensbuden und in Vollmontur badenden Sri Lankern (schwimmen können sie nicht) belegt ist. Wir besuchen alte holländische Bauten. Wir geniessen die Küche mit Currys und Hoppers (dünne schalenförmige Pfannkuchen aus Reismehl) und einmal sogar ein Raclette in der Chesa Swiss. Wir erleben die Geburtstagsfeier von Metthas Schwiegersohn mit. Wir besuchen einen chaotischen, absolut sehenswürdigen buddhistischen Tempel. Wenn ich das so niederschreibe und mich zurück erinnere, merke ich, dass wir doch viel Schönes gesehen und erlebt haben. Einfach die Stadt als solches hat uns nicht so überzeugt.

Nach drei Tagen Colombo nehmen wir am vierten Tag, an dem es ununterbrochen schüttet, den Zug nach Mirissa. 14.35 ist geplante Abfahrtszeit. Um 14.05 sind wir am Bahnhof, kaufen Tickets und stellen uns aufs Perron. Die vielen Menschen lassen kaum Hoffnung auf einen Sitzplatz. 14.20 kommt der Zug, alle stürzen rein und wir auch. Weiter als die Tritte rauf in den Zug kommen wir nicht. Die nächsten drei Stunden stehen wir an der offenen Tür, den Fahrtwind in den Haaren. Auf der einen Seite zieht die Küste an uns vorbei, auf der anderen Seite die Dörfer. Im Zug kaufen wir uns zur Zwischenverpflegung frittierte Dhalkugeln mit Chilli und Zwiebeln. In Mirissa beziehen wir unser Guesthouse und organisieren noch die Whale-Watching-Tour für den nächsten Tag.

Morgens um 6 Uhr sollen wir abgeholt werden. Nur leider ist das Gittertor verriegelt, und kein Weg führt nach draussen. Wir klopfen überall und rufen. Nichts tut sich. Patrik treibt eine Leiter auf und steigt über die Mauer zum Nachbarn in den Garten. Er ist befreit und in diesem Moment kommt der Chef angeradelt. Das Tuk-Tuk erwartet uns an der Strasse und bringt uns zum Boot. Es ist Nebensaison und man erklärt uns, dass die Chancen, einen Wal zu erspähen, nicht riesig sind. Durch die starken Regenfälle vom Vortag ist das Meer sehr unruhig. Zwischen drei Meter hohen Wellen schippern wir raus in die Ferne. Es werden Früchte, Spiegeleier und Toast serviert. Dazu eine Tablette gegen Reisekrankheit. Auf letztere verzichten wir. Gegen das flaue Gefühl in der Magengegend und das gelegentliche Aufstossen hätte sie wohl auch nichts gebracht. Die Wale haben an diesem Morgen keine Lust, sich zu zeigen, dafür sehen wir einen Hai und viele Delfine. Gegen 12 Uhr sind wir zurück. Gratis wird uns eine Wiederholung der ganzen Chose für den nächsten Tag angeboten. Wir sagen zu. Den Nachmittag verbringen wir am Strand. Wie die kleinen Kinder springen wir in die Wellen, lachen und geniessen. Zum Abschluss gibts ein Bier in der Reggae-Strandbar. Am nächsten Tag haben wir übrigens Glück und sehen einen Bryde- und einen Blauwal. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.

Am Nachmittag gehts weiter mit dem Bus nach Tissamaharama. Der erste Bus will uns mit Sack und Pack nicht mitnehmen. Beim zweiten klappts. Die rasante Fahrt dauert wiederum etwa drei Stunden. In Tissamaharama sind wir wegen zwei nahe gelegenen Nationalparks, Yala und Bundala. Im Vergleich zu den Dschungelerkundungen in Malaysia steigen wir hier auf Jeep-Safaris um. Die Landschaft ist wunderschön und die Tiere erst: Elefanten, Wasserbüffel, Mungos, Schildkröten, Vögel aller Art, Bären, Krokodile. Nur der Leopard bleibt uns nicht vergönnt. Wiederum haben wir riesiges Glück mit der gebuchten Lodge. So nette Gastgeber, die uns verwöhnen mit selber gekochtem Essen und ihrer freundlichen Art. Als nächstes gehts weiter in die Hochländer von Sri Lanka, nach Ella. Schon jetzt wissen wir: Sri Lanka werden wir nie mehr vergessen und die restliche Zeit hier geniessen. Auch das Einfache. Gestern Mittag haben wir uns an einen Strassenstand gesetzt, einen frischen Maiskolben gegessen und dazu eine Kokosnuss geschlürft. Und wenn man mit dem Tuk-Tuk oder dem Fahrrad durch die Strassen kurvt, steigt einem immer wieder dieser Räucherstäbchen-Duft in die Nase. Da fühle ich mich zwischendurch wie früher in meinem eingeräucherten Jugendzimmer.

PS: Fast vergessen. In Colombo haben wir gemütlich in einem Park auf einer Bank ein Päuseli gemacht und etwas getrunken. Da kommt ein Mann und sagt, er sei der Parkwächter und wolle eine kurze Führung mit uns machen. Wir gehen mit und er zeigt uns zwei drei Dinge. Dann verlangt er natürlich ein Trinkgeld. So weit so gut. Wir gehen aus dem Park und da sagt Patrik: „Ou, wo ist eigentlich mein Handy?“. Ich lache los, bis ich merke: Er hats wirklich nicht mehr. Auf der Bank hatte er es noch. Schon erwischt man sich beim Gedanken, ob dieser Herr das wohl gestohlen hat? Tsch, weg mit solchen Verdächtigungen und auf zur besagten Bank. Und siehe da, was liegt einsam und verlassen dort? Patriks Handy.

Aus der gleichen Kategorie Ein Tag in Sigiriya »
Logge dich ein um zu kommentieren

Die ersten Schritte

Textarchiv

Jetzt online

Aktuell sind 20 Gäste und keine Mitglieder online

Statistik

Heute23
Gestern24
Diese Woche47
Diesen Monat659
Total75639

Deine IP 54.198.205.153 Unknown - Unknown