Sonntag, 10 August 2014 15:23 von 

Anrufen k├Ânnt ihr zwar, aber rausholen muss uns hier niemand. Wir gehen gerne freiwillig in den Dschungel. Am Tag und in der Nacht.

 

Vor dem zweit├Ątigen Ausflug in den Kubah-Nationalpark (Malaysia, Region Sarawak auf der Insel Borneo) muss ein gutes einheimisches Fr├╝hst├╝ck noch drinliegen. Um 8 Uhr verlassen wir unser Hotelzimmer (wohl eher ein Raum mit einem Bett, einem Bad mit einer L├╝ftung, die direkt die Abluft des benachbarten Seafood-Restaurants in unsere gute Stube bringt, und einem Tisch) in Richtung Chong Choon Cafe. Dort gibt es Laksa. Eine etwas scharfe, w├╝rzige Kokosmilchsuppe mit d├╝nnen Nudeln, Sojasprossen und oben drauf vier Krevetten und einige Pouletstreifen. Dar├╝ber presst man noch den Saft einer kleinen Limette. Dazu Kopi-C-Peng, Kaffee mit Kondensmilch, Palmzuckersirup und Eisw├╝rfeln. Inmitten der verschiedenen Essensst├Ąnde, Ger├╝che und unter lauter Einheimischen geniessen wir unser Zmorge. Einfach lecker. Ein fliegender Verk├Ąufer bringt uns die Borneo Post an den Tisch, die wichtigste englischsprachige Tageszeitung auf der Insel.

Gegen 10 Uhr machen wir uns auf zum Busbahnhof. Wir m├╝ssen uns noch Verpflegung kaufen, es gibt im Park nichts. Schweissgebadet erreichen wir kurz vor 11 Uhr den Bus, denn da wir Brot, Fr├╝chte, Nudelsuppe und Wasser in verschiedenen L├Ąden kaufen m├╝ssen, wird es zeitlich doch etwas knapp. Nach 45-min├╝tiger Fahrt erreichen wir den Park.

Wir m├╝ssen uns am Eingang registrieren und k├Ânnen dann unsere Betten im Park-Hostel beziehen (5 Franken pro Bett). Wir sind die Einzigen, so haben wir das ganze Haus mit Wohnraum, K├╝che und zwei B├Ądern f├╝r uns. Gut, Insekten und sonstiges Getier k├Ânnte es noch haben, so im Urwald. Auf den ersten Blick sehen wir nichts, und wir hoffen, dass das so bleibt. Wir st├Ąrken uns noch kurz mit Fr├╝chten und Toast und dann solls los gehen in den Regenwald. Ich frage wie immer:ÔÇťSch├Ątzi, hesch de Schl├╝ssel?ÔÇť. Und die Antwort ist wie meistens: ÔÇ×Ja, klar.ÔÇť So schliesse ich die Zimmert├╝re von innen per Knopfdruck ab und h├Âre im gleichen Moment:ÔÇ× Ou, dasch de falsch Schl├╝ssel.ÔÇť Es ist jener aus Kuching. So gehen wir halt zum Parkw├Ąchter und fragen nach einem Ersatzschl├╝ssel. Die zust├Ąndige Person ist aber gerade beim Mittagessen. Wir warten. Eine halbe Stunde sp├Ąter ist die T├╝r wieder offen und wir machen uns auf zum Wasserfall.

Der Trail durch den Wald ist gut signalisiert. Die Ger├Ąusche der Tiere sind faszinierend. Was h├Âren wir wohl alles? Ein munteres Ratespiel. Auch die Palmen und B├Ąume sind eindr├╝cklich. Wir haben den Wald fast f├╝r uns alleine. Verfolgt werden wir nur von Schweissbienen, die zum Gl├╝ck nicht stechen k├Ânnen. Irgenwann erreichen wir den Wasserfall. Klares Wasser pl├Ątschert einen Fels hinunter, etwas unterhalb finden wir einen sch├Ânen nat├╝rlichen Pool. Patrik schmeisst sich sofort in Bademontur und nimmt ein erfrischendes Bad. Ich traue mich leider Gottes nicht. Gegen 18 Uhr kommen wir durchgeschwitzt wieder im Hostel an. Wir wollen unsere Zimmert├╝re aufschliessen - geht nicht. Wir riegeln und fluchen und poltern, alles hilft nicht. Wieder suchen wir den Parkw├Ąchter auf. Doch der hat l├Ąngst Feierabend. Wir finden den Nachtw├Ąchter, der schickt uns zur einheimischen Familie. Wir klopfen an und schildern unser Problem. Die Familie begleitet uns ins Hostel und schliesst in einer Sekunde unsere T├╝re auf. Mit dem anderen der beiden Schl├╝ssel, den wir nicht mal ins Schloss gebracht haben...

Wir genehmigen uns kurz eine Instant-Nudelsuppe und dann gehts ausger├╝stet mit Taschenlampen wieder los. Der Park ist bekannt f├╝r die vielen Fr├Âsche, die bei Einbruch der Dunkelheit am aktivsten sind. Und siehe da, wir sehen drei verschiedene Froscharten, zwei Spinnenarten und einen grossen Gecko. Ein aufregendes Gef├╝hl, so im Dunkeln im Wald zu sein, aber gar nicht gf├╝rchig. Und die Gl├╝hw├╝rmchen geben ja auch noch etwas Licht.

Zwei Stunden sp├Ąter kommen wir wieder im Hostel an, erneut verschwitzt und stinkend wie die B├Ąren. Mehrfach getrockneter Schweiss, vermischt mit frischem sowie M├╝ckenspray - ein toller Duftmix. Wir m├╝ssen zwingend duschen. M├╝ssen, weils nur kaltes Wasser hat. Zum Schluss gibts einen Kaffee und einen Muffin, dann fallen wir todm├╝de in unsere Betten. Patrik sucht mit dem Handylicht noch das Zimmer nach Ungeziefer ab. Es hat keines, auch auf den zweiten Blick nicht. Durch den Ventilator bewegt sich aber die ganze Nacht unser Seidenschlafsack, und zusammen mit den Urwaldger├Ąuschen und einer guten Vorstellungskraft haben wir immer wieder das Gef├╝hl, es krabbelt im Bett. Es bleibt beim Gef├╝hl. Gut geschlafen haben wir trotzdem nicht.

Am n├Ąchsten Morgen regnet es wie aus K├╝beln. So machen wir ein gem├╝tliches Fr├╝hst├╝ck und lesen die am Tag zuvor gekaufte Zeitung. Danach gehts mit dem Bus wieder zur├╝ck nach Kuching. Als wir rennend die Station erreichen ÔÇô wir sollen uns beeilen, hat uns der Parkw├Ącher gesagt -, steht der Bus schon dort. Aber wo ist der Chauffeur? Wir entdecken ihn schlafend auf der R├╝ckbank. Nach einem viertelst├╝ndigen Nickerchen erwacht er wieder, l├Ąsst uns einsteigen und f├Ąhrt f├╝nf Minuten zu fr├╝h ab.

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