Montag, 28 Juli 2014 07:06 von 

Wir hüpften in letzter Zeit von einer asiatischen Grossstadt zur anderen. Drei Nächte in Seoul, drei Nächte in Shanghai, drei Nächte in Kuala Lumpur – und drei Gründe, wieso.

 

Am 8. Juli erreichte mich folgendes Mail von meinem alten Schulkollegen Wulf: „Wie Ihr sicherlich wisst, haben Xuyang und ich am 28. Januar in China geheiratet. Es ist aber höchste Zeit dieses Ereignis auch mit unseren Freunden in Europa zu feiern.“ Das Fest steigt im August im Engadin. Leider ohne uns. Das lässt sich nicht ändern. Was sich aber ändern lässt, ist, dass wir uns schon ewig lange nicht mehr gesehen haben. Sieben bis zehn Jahre müssens wohl sein – so ganz genau wissen wir das nicht mehr.

Ein China-Visum lässt sich auf die Schnelle nicht organisieren. In verschiedenen chinesischen Städten gibts aber gratis ein 72-Stunden-Visum, und deshalb melden wir uns spontan für einen Kurzbesuch in Shanghai an. Das Wiedersehen ist überfällig - wir habens immer noch genau so lustig wie damals an der Kanti Wohlen. Lustig findens wohl auch die Chinesen, die unseren Sightseeing-Konvoi durch Shanghais Stadtteil Chuansha sehen. Wulf mit dem Elektrobike voraus, wir mit seinem Elektroroller hinterher, allerdings oft mit einem souveränen Abstand. Die chinesische Strasse(un)nordnung ist etwas gewöhnungsbedürftig, und uns geht gegen Ende der Stadttour langsam der Saft aus. Mehr als 18 km/h liegen nicht mehr drin, Licht schon gar nicht, auch wenns mittlerweile dunkel geworden ist. Ohne Licht outen wir uns wenigstens nicht sofort als Touristen.

In den nächsten beiden Tagen unternehmen wir vieles zu viert – vor allem gut essen -, erkunden Shanghai aber auch auf eigene Faust. Zum Beispiel die 474 Meter hohe Aussichtsplattform des World Financial Center („Der Flaschenöffner“), die noch zweithöchste der Welt. Gleich daneben entsteht der Shanghai Tower, dessen Aussichtsplattform in 556 Metern Höhe zu liegen kommt.

Oder die Magnetschwebebahn Transrapid, die den Flughafen mit der Metro-Station Longyang verbindet. Höchstgeschwindigkeit: 24-mal Elektroroller beim Stromsparen, also 430 km/h. Leider werden inzwischen die meisten Fahrten pro Tag nur noch mit maximal 301 gefahren. Weil der Maglev (Magnetic Levitation Train) für viele zu teuer ist – die Einzelfahrt kostet 7,5 Franken – steckt der Betreiber in finanziellen Schwierigkeiten. Man vermutet, dass er die Zahl der Höchstgeschwindigkeitsfahrten deshalb drastisch reduziert hat – um Strom zu sparen.

Offiziell ist es zumindest beim 72-Stunden-Visum Pflicht, sich innerhalb der ersten 24 Stunden auf einem lokalen Polizeiposten registrieren zu lassen, wenn man privat untergebracht ist. Offiziell macht das niemand. Wir schon. Der morgendliche Ausflug ins Polizeirevier von Chuansha erweist sich denn auch genau so amüsant wie von Xuyang befürchtet. Wir seien wohl die ersten Ausländer, die sich hier registrieren lassen wollen, „wenn überhaupt jemand auf dem Posten ist, hat der wohl keine Ahnung hat, wie das geht.“ Stimmt. Diejenigen, die vor Ort sind, haben tatsächlich nicht viel Ahnung. Aber immerhin wissen sie, wer eine hat. Die zuständige Person werde bald auftauchen, sagt man Xuyang. 20 Minuten später fährt filmreif eine schwarze Edelkarosse vor. Wir werden ins Registrierungsbüro gebeten, unsere Daten werden erfasst, der Beamte will sogar den Mietvertrag von Wulf und Xuyang. Es geht aber auch ohne. Eine Viertelstunde Bürokratie, dann haben wir die offizielle Registrierung in der Hand. Wir brauchen sie zwar nirgendwo, aber als exklusives Souvenir taugt sie allemal.

Das 72-Stunden-Visum ist grundsätzlich eine gute Sache. Eine der Voraussetzungen hat uns aber kurz vor Probleme gestellt. Das Visum erhält nur, wer direkt von Land A einreist und nach maximal 72 Stunden direkt nach Land C weiterreist. Von Ulan-Bator gibts zwar Direktflüge nach Shanghai, aber erst wieder ab 1. August. Und so kommt unverhofft die koreanische Hauptstadt Seoul wieder ins Spiel, die wir eigentlich aus unseren Plänen gestrichen haben. Weil wir übers Wochenende in Shanghai sein wollen, reichts genau für drei Nächte. Zu wenig, wie wir feststellen müssen. Zumal wir einen ganzen Tag verplempern, um neue Wandersandalen und Turnschuhe mit Grösse 46 zu finden. Erfolglos. Seoul hat es in der kurzen Zeit trotzdem geschafft, sich in der Liste meiner Lieblingsstädte hinter New York vorläufig auf Platz 2 einzureihen. Vorläufig, weil das Bild noch nicht vollständig ist. Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, müssen wir Ende Herbst nochmals dorthin zurück.

Auch nach Kuala Lumpur, wo wir gerade sind, wollten wir eigentlich erst nicht. Oder noch nicht. Nach unseren entspannenden Kurzferien auf Langkawi wären wir gerne mit dem Schnellboot auf die Insel Penang, nach Georgetown, weitergereist. Weil aber gestern der Ramadan endete und im Anschluss das hohe muslimische Fest Hari Raya Aidilfitri gefeiert wird, war Georgetown komplett ausgebucht. Ab morgen haben wir ein Zimmer.

 

Logge dich ein um zu kommentieren

Die ersten Schritte

Textarchiv

Jetzt online

Aktuell sind 8 Gäste und keine Mitglieder online

Statistik

Heute10
Gestern29
Diese Woche139
Diesen Monat455
Total77037

Deine IP 54.82.79.137 Unknown - Unknown