Sonntag, 13 Juli 2014 16:42 von 

Nein, wir haben weder ein Kamel grilliert noch Kamelmilch getrunken (die gibts nur im Winter). Dafür haben wir uns von den Höckerschaukelpferden durch die Wüste kutschieren lassen.

Unseren viertägigen Trip in die Wüste Gobi nehmen wir wiederum von Ulan Bator aus in Angriff. Der Flug mit der Aero-Mongolia-Propellermaschine (Modell Fokker 50, hihihi) nach Dalandsadgad dauert knapp zwei Stunden. Am Flughafen werden wir von unserer Guidin und dem Fahrer erwartet. Als erstes wollen wir im Ger-Camp zu Mittag essen, wir erreichen dieses nach einer stündigen Fahrt durch die Wüste. Es heisst zwar Wüste, sieht zur Zeit aber nicht so wirklich danach aus. Denn es hat überdurchschnittlich viel geregnet und daher ist die unendlich wirkende Landschaft grün. Tatsächlich grün, das hätte ich nie erwartet. Und das Beste: Die grünen Büschel sind oft Wüstenschnittlauch. Sie riechen jedenfalls genau wie unser Schnittlauch. Die Wüste beherbergt auch Berge und diese sind unser Nachmittagsziel. Wir sehen uns eine tiefe Schlucht an, die fast ganzjährig vereist ist. Wir wandern übers Eis, vorsichtig, da die Eisdecke teils schon etwas dünn ist. Wir sehen Lämmergeier, wilde Schafe und herzige Wüstenmäuse und übernachten wieder im Ger-Camp, das ist eine Jurtensiedlung für Touristen mit Restaurant, Toilette und Dusche. Richtig komfortabel, aber auch schräg, so mitten in der Wüste solche Einrichtungen vorzufinden. In unserer Jurte hat es auch zwei richtige Betten und so verbringen wir eine gemütliche Nacht. Wir schlafen und essen auf der ganzen Tour in diesen Camps, und zweimal werden doch tatsächlich Spaghetti Bolognese serviert.

Tag zwei führt uns zu den Khongoriin-Sanddünen, die sind etwa 180 Kilometer lang, bis zu 21 Kilometer breit und maximal 200 Meter hoch. Der Sandsturm, auf den wir treffen, verschiebt das Kamelreiten und das Besteigen der Sanddünen auf den nächsten Morgen. Wir verbringen den Nachmittag bei zwei Nomadenfamilien, die auf Grund des bevorstehenden Naadam-Festivals ziemlich in Festlaune sind und verschiedene Rituale praktizieren (Schnupfen aus einem Dösli, mit der ersten vergorenen Stutenmilch umherreiten, Vodka ausschenken, Festkleidung tragen).

Am nächsten Tag klappt dann unser Programm. Zwischen den beiden Höckern gondeln wir durvh die Dünen. Patrik schläft auf dem Rückweg fast ein. Kamele werden nicht gegessen, sagt man uns, das sei schlecht für die Gesundheit. Aber nur schon das Reiten macht Auau am Popo.

Am Nachmittag fahren wir zu den Flaming Cliffs. Nach dem Nachtessen schauen wir uns diesen kleinen Canyon aus rot-brauner Erde an. Die Strahlen der untergehenden Sonne lassen alles tiefrot erscheinen. In diesem Gebiet wurden viele Dinosauriereier und -skelette gefunden, die ersten 1923 von einer Expedition des American Museum of Natural History in New York.

Durch den regenreichen Sommer hat es etwas unterhalb des Canyons sogar einen kleinen echten See. Als Fata Morganen haben wir in der Wüste Gobi schon unzählige Seen in verschiedenen Grössen gesehen.

Am nächsten Tag fliegen wir zurück nach Ulan Bator und treffen meine Eltern, die für einige Tage hier sind. Es ist so schön, wieder einmal mit lieben Menschen von zu Hause Zeit zu verbringen, sich auszutauschen und zu lachen. Wir besichtigen die Stadt, machen einen Ausflug in einen nahe gelegenen Nationalpark, erleben das Naadam-Festival, gehen käfelen. So geniessen wir jetzt noch die letzten Tage zusammen, bevor wir am Dienstag nach Seoul abreisen und meine Eltern mit dem Zug nach Moskau fahren.

 

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