Freitag, 04 Juli 2014 10:43 von 

Wie schmeckt eigentlich vergorene Stutenmilch? Seit Kirgistan wissen wirs.

 

Eigentlich war Kirgistan schon raus aus unseren K√∂pfen. Zehn Tage Ferien am Strand, faulenzen, Drinks schl√ľrfen. Eine kurze Pause einlegen. Die Idee gef√§llt uns. Wir konsultieren die Weltkarte, suchen den von Usbekistan aus n√§chstgelegenen Strand. Wir finden ihn - in Pakistan. Ist wahrscheinlich kein Sandstrand, also schauen wir weiter. Goa k√§me infrage, weil wir aber f√ľr Indien ein Visum br√§uchten, zu aufwendig. Malaysia oder Thailand? Zwar etwas weit weg, aber wenn wir einen Direktflug finden w√ľrden...

Es ist ja nun nicht so, dass Tashkent eine Drehscheibe des internationalen Flugverkehrs w√§re. Also buchen wir dann letztlich doch den Flug nach Bishkek. Statt zehn Tagen am Strand einen mehr in Tashkent, drei in Bishkek und sechs in den kirgisischen Bergen. Wir bereuen es nicht. Obwohl Kirgistan das √§rmste Land Zentralasiens ist, ist die Hauptstadt die mit Abstand angenehmste und normalste. Die Wege sind kurz, die Strassen weder leer noch st√§ndig verstopft, die Unterhaltungsm√∂glichkeiten (also Essen und dergleichen) zahlreich. Dass Bishkek nicht mit atemberaubenden Sehensw√ľrdigkeiten aufwarten kann, st√∂rt nicht.

Kirgistan hat andere Tr√ľmpfe, und die zeigen sich erst beim Anflug, sp√§ter beim Blick aus dem K√ľchenfenster: Bergketten, so weit das Auge reicht. Wir entscheiden uns f√ľr jene rund um Kochkor, eine Kleinstadt auf 1800 Metern √ľber Meer, und buchen dort zwei Touren. Die erste beginnt in Sichtweite des St√§dtchens und f√ľhrt uns in einem Tag auf 3400 Meter hoch, die zweite beinhaltet drei 3000-er-P√§sse in zwei Tagen und endet am Song-Kul, einem grossen Gebirgssee auf knapp √ľber 3000 Metern √ľber Meer. Wir h√§tten die beiden Touren auch mit Pferden machen k√∂nnen, wollten aber unbedingt mal ein paar happige Anstiege und so rund sieben Stunden Weg pro Tag in den Beinen sp√ľren. Gute Idee. Nach f√ľnf Tagen f√ľhlen sie sich an, als w√§re eine ganze Schafherde dr√ľbergestolpert. Schaf f√ľr Schaf.

Weil wir ja auch irgendwann mal zum Titel kommen sollten, ist Pferd ein gutes Stichwort. Die Kirgisen essen sie ja nicht nur wie wir, sie nehmen den Kleinen auch noch das Essen weg. Das heisst, sie lassen die Fohlen kurz zur Mutter, um nach zwei, drei Schl√ľcken selbst bei der Stute Hand anzulegen und sie zu melken. Die Milch kommt daraufhin in grosse Bottiche, wo sie unter gelegentlichem R√ľhren langsam g√§rt. Kymys, die vergorene Stutenmilch, kann zwischen zwei Wochen und einem Jahr alt sein (dann soll sie schon recht in die Beine gehen). Sie schmeckt wie...ja, wie...keine Ahnung. Anders halt. So s√§uerlich, kohlens√§urehaltig, vielleicht etwas tannig, manchmal auch ein bisschen rauchig, aber nicht wie Whisky. Irgendwie undefinierbar, mit kleinen braunen P√ľnktchen. Ist aber, wenn man den Abgang ausblendet, gar nicht so schlecht.

Die Locals jedenfalls lieben sie. Manche, wie unsere 19-j√§hrige Wanderleiterin Salta, sogar so sehr, dass sie in grossem Masse vorsorgen m√ľssen, wenn die Familie, bei der wir √ľbernachten, keine Mutterpferde hat. Das heisst: auf dem Weg dorthin zusammen mit der Kollegin zwei 1,5-Liter-Flaschen vernichten, damits nicht pl√∂tzlich zu Entzugserscheinungen kommt. Und am n√§chsten Tag, bei der Heimfahrt, unbedingt bei einer anderen Familie nachtanken. 3 Liter f√ľr sich selbst, 1,5 f√ľr die Kollegin und 2 f√ľr den Fahrer. ‚ÄěWer im Sommer viel Stutenmilch trinkt, wird im Winter nie krank‚Äú, ist Salta √ľberzeugt. Wir glauben ihr. Und sagen weiterhin ‚Äěnein, danke‚Äú, wenn man uns ein zweites Mal einschenken will. Manchmal auch schon vorher.

 

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