Samstag, 21 Juni 2014 18:42 von 

Preisverhandlungen werden nie eine unserer Stärken sein. Wir klopfen uns aber hie und da trotzdem auf die Schultern. Also eher selten. Einige Episoden aus Usbekistan.

 

Chorsu-Basar, Tashkent. Bisher haben wir uns für die bequeme Variante entschieden und jemanden vom Hotel mit einem Bündelchen Dollarnoten auf den Schwarzmarkt geschickt. Jetzt suchen wir erstmals selbst nach einem Händler - und finden, wie das so ist, wenn sie normalerweise an jeder Ecke stehen, natürlich lange keinen. Auch wenn es offiziell illegal ist, Geld auf dem Schwarzmarkt zu wechseln: Es gibt kaum jemanden, der es nicht macht. Der inoffizielle Kurs ist um 30 Prozent höher als der offizielle, allerdings ist er nicht exakt festgelegt. Das heisst, wir müssen wir auch hier handeln. 2950, 2990 und 3000 Sum haben wir bisher in verschiedenen Teilen des Landes für einen Dollar erhalten. 3000 sind auch bei unserem ersten Anlauf auf dem Chorsu-Basar das Ziel. Nur ist unser Gegenüber eine harte Nuss. Und da wir keine Lust haben, in der Menschenmenge minutenlang mit Notenbündeln rumzuwedeln, lassen wir uns nach zwei-, dreimal weglaufen mit 2900 Sum abspeisen. Fail. Ein Wechselfehler, könnte man sagen.

Nationaler Flughafen Tashkent, Ankunft mit der Propellermaschine der Usbekistan Airways aus Termez um 11 Uhr. Beim Ausgang stehen drei Taxifahrer (auch hier: Jeder ist ein Taxifahrer). Auf den Hinweg haben wir für die 20-minütige Fahrt 12000 Sum bezahlt, also knapp vier Franken. Ein Freundschaftspreis für die Gäste des Hostels. Glauben wir. Wir sprechen uns kurz ab: 15000 Sum maximal, mehr zahlen wir nicht. Der Erste kommt. „Taxi, mister?“ Selbstverständlich. Wieviel? „40000 Sum“. Wir fragen zur Sicherheit nochmal nach? Wieviel? „40000 Sum, pro Person 20000.“ Das kann er vielleicht am internationalen Flughafen versuchen, bei den Grünschnäbeln, die noch nicht wissen, wie der Hase läuft. Aber doch nicht am nationalen Terminal. Tstststs. Wir lachen und lassen ihn stehen. Der nächste kommt mit 25000. Wir beharren erst auf unseren 12000 - und einigen uns zum Schluss nach langem Hin und Her auf 15000. Ziel (fast) erreicht. Nachdem wir vom Senior-Chef des Hostels gehört haben, dass seines Wissens in letzter Zeit kein Tourist für diese Strecke weniger als 15000 bezahlt hat (der Rekord liegt bei 90000), klopfen wir uns kurz auf die Schultern. Die kleinen Freuden des Alltags.

Ein Café in der Nähe des Registan, Bukhara. Wie immer am frühen Nachmittag (normalerweise machen wir zu dieser Zeit Siesta) brennt die Sonne Löcher in den Pelz. Die müssen nun unverzüglich mit zwei Eiskaffees gekühlt werden. Drei Variationen stehen zur Auswahl. Eine davon mit Pepsi. Interessant. Nehmen wir. 6000 Sum sind durchgestrichen, daneben steht neu 7000. Ein stolzer Preis. Aber muss jetzt sein. Kurz bevor die Getränke fertig sind, kommt der Kellner nochmals zu uns an den Tisch. „Sorry, aber euer Kaffee kostet jetzt leider 8000 Sum.“ Die Rohstoffpreise, namentlich Pepsi und der Kaffee, seien in letzter Zeit extrem gestiegen. Und sie hätten leider noch keine Zeit gehabt, das in der Karte zu ändern. Die sogenannte Spontan-Inflation. Natürlich haben wir nur 7000 gezahlt. Aber man kanns ja mal versuchen.

Dann gibt es aber auch die richtig lustigen Episoden wie jene in Termez. Wie so oft werden wir beim Vorbeischlendern von einem Jungen auf Englisch begrüsst. Seine Grossmutter sitzt daneben, sie führt den kleinen Kiosk am Strassenrand. Da wir sowieso auf der Suche nach Zigaretten sind und bisher keine gefunden haben, fragen wir mal nach, ob sie denn welche hätten. Der Kleine, wahrscheinlich etwa 10 Jahre alt, nickt und zeigt uns eine offene Schachtel. Viele Einheimische kaufen die Zigaretten einzeln, wir hätten aber doch gerne ein ganzes Päckchen. Hat er selbstverständlich auch. Seine Grossmutter geht ins Kabäuschen und reicht ihm eines nach draussen. Da die Preise selten angeschrieben sind, müssen wir nachfragen. Wieviel? „4000“, sagt der Junge in einer Selbstverständlichkeit, dass selbst die Grossmutter lachen muss. Er hat den Preis kurzerhand verdoppelt. Diese liebenswerte Dreistigkeit bringt ihm immerhin etwas Sackgeld ein. Wir zahlen ihm 3000. 2000 für die Zigaretten, 1000 für ihn.

 

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