Mittwoch, 28 Mai 2014 13:29 von 

Sand knirscht zwischen den Zähnen. Unter den Augen hat sich er sich zu kleinen Häufchen aufgetürmt, die in der Morgendämmerung erste Schatten werfen.

 

Seit einigen Minuten sind wir wieder an der frischen Luft. Über Nacht haben wir uns einen Partnerlook zugelegt. Eine Symphonie in beige-weiss. Wir wischen uns das Sand-Peeling aus dem Gesicht. Wir sehen aus wie zwei Mumien, die eben aus ihrer zwei auf zwei Meter grossen und mit einem gelben Aussenzelt verzierten Gruft gestiegen sind. Und wir können bereits wieder lachen. Der dritte im Bunde dagegen, unser Guide und Fahrer Oleg, ist schockiert. Das sagt er uns aber erst am Abend.

Yangykala Canyon. Dreieinhalb Stunden weg von Turkmenbashi, der nächstgrösseren Stadt. Mindestens eine Stunde entfernt von jeglicher Form von Zivilisation. Oleg stellt auf dem Plateau oberhalb des Canyons unser Nachtlager auf. Macht Feuer für das Abendessen. Wir steigen derweil in die Schlucht hinab, schauen uns den entzückenden kleinen Bruder des Grand Canyon von unten an. Der leichte Wind macht die hohen Temperaturen von fast 40 Grad erträglicher.

Vor dem Wind hat Oleg grossen Respekt. Die Zelte stehen zwar. Aber wenn der Wind dann plötzlich auffrische und mit voller Wucht über die Fläche jage, könne es ungemütlich werden. Zum Abendessen gibts eine leichte Brise. Dazu leckeres Lammschaschlik mit grillierten Auberginen und Tomaten, einen Zwiebel- und einen Gurken-Tomaten-Salat, Tee und Wodka. Wir sitzen auf zwei Teppichen aus Schafwolle, machen Witze, geniessen den Sonnenuntergang und den prächtigen Sternenhimmel.

Wenn wir die Schuhe vor dem Zelt stehen lassen wollen, sollen wir sie dann am Morgen erst einmal gut ausschütteln, gibt uns Oleg noch mit auf den Weg. „Und macht das Zelt immer komplett dicht. Es hat Skorpione hier.“ Wie dicht das Zelt ist, merken wir spätestens morgens um 2 Uhr. Der Wind peitscht durch die Nacht, heftige Böen drücken die beiden Zeltstangen ein, reduzieren den Innenraum auf die Hälfte. Die feine Staubschicht, die schon zu Beginn der Nacht den Zeltboden bedeckt hat, wird hochgewirbelt. Durch die beiden Lufteinlässe auf der Seite dringt immer mehr Sand ein. Bald sitzen wir Rücken an Rücken im Zelt. Weiter unten ist Atmen nicht mehr möglich. Zwischen Innen- und Aussenzelt habe es ausgesehen, es sei jemand mit dem Vakuumsauger am Werk gewesen, sagt Oleg am Morgen. Auch er hat schlecht geschlafen. Aber er sieht deutlich sauberer aus.

Die letzte Nacht in Turkmenistan verbringen wir noch einmal im Zelt. Wieder in der Wüste. Wieder auf einer Ebene. Vielleicht wäre es besser, wenn wir unsere Ausrüstung um einen Industrie-Staubsauger ergänzen würden.

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