Mittwoch, 28 Mai 2014 13:24 von 

Das Handy ist immer noch da, dafür haben wir in Turkmenistan kein Internet mehr. Bis heute. Deshalb etwas verspätet ein Blick zurück nach Aserbaidschan.

 

An die aserbaidschanische Grenze fahren wir mit einem Taxi. Von der Metrohaltestelle in Tiflis, von der Busse zur Grenze fahren sollen, fahren leider keine Busse. Tja, so ist das eben. Zum Glück können wir uns hier eine Taxifahrt leisten, 3 Stunden für 25 Franken. Die Grenze überqueren wir zu Fuss mit sämtlichem Gepäck. Für mich ein ungewohntes und etwas komisches Gefühl, zu Fuss im Nirgendwo nur mit dem Gepäck die Kontrollen zu passieren. Probleme gibts keine, eine Viertelstunde später sind wir in Aserbaidschan. Die Reise geht weiter nach Şeki (genau, auf dieser Fahrt ging das Handy verloren). Hier übernachten wir in einer ehemaligen Karawanserei. Ein altes, schönes, riesiges Gebäude mit wunderschönem Innenhof und „Steinkammern“ als Zimmer. Die Vorstellung, wie früher Händler mit Sack, Pack und Tier hier auf ihren weiten Reisen übernachtet haben, gefällt uns. Wir bleiben drei Nächte. Die Umgebung ist sehr schön, alles saftig grüne Hügel und gepflegte Häuser. Etwas schade, dass die Häuser zur Strassenseite immer durch eine Mauer verdeckt werden, so kann man schlecht einen Blick nach drinnen erhaschen. Die Spezialität von Şeki sind Süssigkeiten, also reiht sich ein Laden mit Zältli, Nougat, Zucker-Nüssen, Şeki-Halva (eine Art Baklava) an den nächsten. Ein Paradies. Auch farbigen Zucker gibts hier, den nimmt man in den Mund und dann nach und nach ein Schluck Tee dazu. Hier liegt wohl auch der Grund für die vielen Goldzähne, denn Tee wird wie bei uns Wasser getrunken, natürlich nie ungezuckert.

Unsere nächste Station ist Kuba, also eigentlich Quba, sprich Guba. Auf der etwa zehnstündigen Fahrt mit dem Minibus, unterbrochen durch eine Übernachtung in Baku, sehen wir von grünen Wäldern und Weiden, herumziehenden Schafherden über Steppenlandschaften und Ölbohrtürmen bis hin zu Obstplantagen alles. Von Quba aus unternehmen wir einen Ausflug in das Bergdorf Xinaluq. Wiederum mit dem Taxi, andere Möglichkeiten bieten sich nicht. Der nette Herr im Hotel hilft uns, ein Taxi zu besorgen und dem Fahrer zu erklären, dass er uns hin und zurück bringen soll und in Xinaluq etwa zwei bis drei Stunden warten muss. Denn wieder spricht niemand Englisch und auch nur der Chef des Hotels Russisch, der Taxifahrer spricht nur Aseri. Eine abenteuerliche Fahrt in den wie gemalt aussehenden aserbaidschanischen Bergen kann los gehen. Das Taxi, ein alter Lada, kommt nicht alle Hänge hoch, wir steigen drei Mal aus und gehen zu Fuss. Unterwegs hats viele Cafés, denn diese Region ist ein Feriengebiet. Im Moment sind aber alle leer oder geschlossen, es ist nicht Saison. Ein Café, oder auch allgemein ein Restaurant in Aserbaidschan, besteht aus grossen Tischen mit einem Dach drüber mit einigen Metern Abstand zum nächsten Tisch, und das im Grünen. Sehr schön also. Nach drei Stunden kommen wir in Xinaluq an und wollen das Dorf erkunden. Neben uns geht ein junger Mann. Er fragt, woher wir kommen und schon sind wir im Gespräch. Er erklärt uns alles über das aus grauen Steinhäusern bestehende Bergdorf, führt uns durchs Museum und lädt uns zu sich nach Hause zum Mittagessen ein. Da wohnen auch noch seine Eltern und sein Bruder mit Frau und Kindern. Yildrim ist der Englischlehrer von Xinaluq, frisch verheiratet, 25 Jahre alt. Sein Traum ist es, einmal Präsident eines unabhängigen und demokratischen Aserbaidschan zu werden.

Wir kehren wieder zurück nach Baku, diesmal nicht für eine Nacht. Wir besichtigen die Stadt - am eindrücklichsten sind die drei Flammentürme - geniessen die Promenade, bummeln in der Altstadt und organisieren unsere Weiterreise nach Turkmenistan. Wir wollen ja mit der Fähre von Baku nach Turkmenistan. Die Reise soll etwa 16 Stunden dauern, kann aber wegen Stürmen auf dem Kaspischen Meer – das ja eigentlich ein See ist -, Hafenüberlastung in Turkmenbashi und sonstigen komischen Gesetzen bis zu sechs Tage in Anspruch nehmen. Wir finden die Ticketverkaufsstelle nicht auf Anhieb, und erhalten dann auch keine Auskunft, wann genau die Fähren fahren. Wenigstens eine Telefonnummer. Wir sollen wiederkommen, wenn wir abreisen wollen. Unsere Turkmenistan-Tour beginnt am 21. Mai. Also müssen wir spätestens am 20. auf die Fähre. Um auf Nummer sicher zu gehen, versuchen wirs einen Tag früher. Wir rufen erst um 9 Uhr und ein zweites Mal um 11 Uhr an. Die Dame meint, zwei Fähren stehen bereit, eine um 15 und eine um 19 Uhr. Gut, wir machen uns auf den Weg. Zuerst aber kaufen wir 10 Liter Wasser und einiges an Proviant ein, man weiss ja nie. Das Ganze geht ruckzuck, die Tickets haben wir schnell, und die Fähre wartet schon. Wieder zu Fuss in brütender Hitze mit Sack und Pack - nicht zu vergessen das Wasser - über die Grenze und rein ins Schiff. Ich habe ja vorgängig Fotos solcher Fähren gesehen und bin dem ganzen Abenteuer gegenüber nicht nur positiv eingestellt gewesen. Der Rost ist aber gut übermalt. In unserer Schiffskoje gibts nur eine Made, rund um den Lichtschalter hats etliche freiliegende Kabu (Berndeutsch für Kabel), aber sonst wirkt die Akademik Hesen Aliyev einigermassen vertrauenerweckend. Wir wollen ja keine Fahrt übers offene Meer machen. Nach zwei Stunden warten gehts los. Wir haben Eisenbahnwagen geladen. Andere Gäste? Wir sehen noch zwei Herren einsteigen. Platz hätten wir für etwa 300 Passagiere. Das Gesetz erlaubt aber nur zwischen 11 und 30 pro Fähre, je nach Art der Ladung. Wie auf einem Geisterschiff. Viele Türen sind verriegelt und Einrichtungen wie Bar, Dusche, Kiosk oder Passagiersalon geschlossen.

Wir geniessen ganz alleine auf dem obersten Schiffsdeck bei einem Picknick den Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen gegen acht Uhr verlassen wir unsere Koje. Am Horizont ist bereits Land in Sicht, leider wirft die Crew wenig später den Anker. So hat schon manche endlose Warterei auf dem Kaspischen Meer begonnen. Bei uns gehts zum Glück schon nach 30 Minuten weiter. Auch wenn es noch bis 13 Uhr dauert, bis wir vom Schiff können, läuft irgendwie alles wie am Schnürchen. Und vom Proviant zehren wir heute noch.

Aus der gleichen Kategorie « Handy weg
Logge dich ein um zu kommentieren

Die ersten Schritte

Textarchiv

Jetzt online

Aktuell sind 9 Gäste und keine Mitglieder online

Statistik

Heute24
Gestern24
Diese Woche48
Diesen Monat660
Total75640

Deine IP 54.198.205.153 Unknown - Unknown